Aktuell

Silvester 2022 im Rhythmusflow – Ein Nachklang

Jahreswechsel TaKeTiNa 2022 in Gießen bei Dorothea und Johannes Niedecken
Zu Gast: Gaby Eckl

Tiefe innere Transformation im Raum aller Möglichkeiten

Fast hätte ich abgesagt, zu viele unerwartete Sorgen, Missverständnisse, Unsicherheiten im alten Jahr. Doch ich hatte gebucht, war gesund und Erkenntnislust trieb mich voran.
An Weihnachten hatte ich mich selbst neu geboren in den Raum der Liebe. War ich bereit, ihn auszuweiten, neue Menschen in ihn eintreten zu lassen?

Ein nagelneues Seminarhaus erwartet mich, bis ins Detail durchdacht, geschaffen als Herzensprojekt Dorotheas in der Verbindung mit ihrem Mann Johannes, in einer Zeit des von außen initiierten Mangels, ein Phönix der Fülle, ein Raum aller Möglichkeiten für uns, die Teilnehmer des Workshops. Ich fühle mich sofort willkommen und umgeben von wahrer Gastfreundlichkeit, die keine Sekunde abflaut.

Begrüßt werden wir mit Instrumentenklängen und Gesang. Danach beginnt die erste TaKeTiNa Reise mit Dorothea (Taketina Rhythmus Pädagogin) und Gaby (Taketina Advanced Rhythmus Pädagogin). Fallenlassen, ankommen, genießen.
Mein erster Wunsch wird Wirklichkeit, mein neu gegründeter Raum der Liebe füllt sich mit Verbundenheit über die verschiedenen Empfindungen unterschiedlichster, einander meist unbekannter Menschen hinweg. Ordnung – Chaos – Neuordnung, eintauchen in die Ur-Rhythmen des Lebens.
Am Ende des Abends trommeln wir. Ich möchte schnell und laut sein, muss mich zurücknehmen, doch sie will raus, die angehäufte Enttäuschung. Bumm, bumm, bumm, schneller als mein Herz, die Wut erkennt sich, versteht, löst sich aus meinen Zellen, vermischt sich mit dem Lauschen, lässt los, schwingt zu den Schlägen der anderen Trommler – bumm, bumm, bumm. Mir gegenüber ein mit seligem Gesicht schlafendes sechs Wochen junges Baby, beginnendes Leben mitten im Wirbel. Ich bin tief berührt.
Wäre es nach mir gegangen, ich hätte bis zum Morgengrauen getrommelt…

Wer bist du?
Du weißt es.
Rhythmus holt es hervor.
Die Gruppe spiegelt es dir unverfälscht.
Wie fühlst du dich damit?

Nach einer geruhsamen Nacht auf frisch ausgepackter Matratze im jungen Bett und einem wundervollen, reichhaltigen Frühstück mit, als Krönung, von Johannes selbst gebackenen Vollkornbrötchen, treffen wir uns wieder im Seminarraum. Silvestertag.

Wie möchtest du das Jahr beenden?
Was sendest du, was empfängst du?

Zartes Anschlagen einer Frame Drum, sanfte Rhythmusvielfalt … Mir laufen Tränen über die Wangen, fangen sich am Kinn, tropfen und rinnen auf mein T-Shirt. Traurigkeit, gestaut unter der Schale von Verantwortung trage, stark sein müssen, Lösungen bereit haben wollen. Zartheit und Sanftheit, leise Schwingungsfrequenzen decken auf. Da bin ich wieder, ein Wesen der leisen Töne, der Zwischentöne, die ich ungefiltert empfange.
Tränen waschen den Irrtum hinweg, die Fassade fällt. Dankbarkeit breitet sich in mir aus.
Ich schäme mich für nichts. Ich bin bei mir. Kein Nachdenken mehr notwendig.

Sanfter und geborgener kannst du dich kaum erfahren.
Ohne Anstrengung.
Du bist. Ich bin.
Sein-WOLLEN lässt der Rhythmus nicht zu.
Ordnung – Chaos – Neuordnung.

Die folgende Rhythmusreise beginnt. Dorothea mit der Surdo und Gaby Berimbau spielend und anleitend in der Mitte des Kreises. Zwei Instrumente im Zusammenspiel mit Schritten, Klatschern und Stimme in übereinander liegenden Rhythmen. Enge innere Räume weiten sich, Verbindungen im Körper werden geweckt, im Kopf ein Neuverschaltungsfeuerwerk. Der Kreis pulsiert. Wir alle dürfen uns nehmen, was wir brauchen zur Harmonisierung unseres Systems. Niemand muss, was ihm zu viel erscheint. Denn aussteigen, sich hinlegen  und zuhören, zurückkehren, nur Schritten folgen, nicht klatschen, nicht singen, alles ist  möglich.
Ineinander übergehend formiert Gaby eine neue Konstellation, der Kreis löst sich auf, Paare finden zueinander. Und wieder treffe ich auf mich selbst und ausgerechnet auf einen Mann…
Mein Gegenüber ist Andreas und unsere erste Aufgabe, seine rechte und meine linke Hand in Take-Five Haltung auf eine bestimmte Rhythmussilbe zusammenzuführen. Wir konzentrieren uns, halten Blickkontakt, wollen keinen Fehler machen. Ganz langsam entsteht eine Verbindung, zwei Seelen grooven sich ein, vergnügtes Erleben und Staunen überkommt uns: Wir können uns vollkommen aufeinander verlassen! Vertrauen bildet, ähnlich einem Baum, Verzweigungen in mir. Wertvolles Vertrauen, ich habe dich sooo vermisst!!! Danke, dass du zurück bist! Wir umarmen uns, auch Andreas voller Dankbarkeit und tief berührt.
Später, in einer anderen Reise halte ich seine Hand in meiner, sie ist angenehm vertraut, sofort erkannt. Neugierig erkunde ich ab jetzt andere Hände.

Am Ende jeder Reise ist mein Körper müde, mein Geist jedoch frei. Tiefe innere Ruhe begleitet den Nachhall. Die Schwingung liegt noch im Raum, unsere Körper entspannt auf  dem nach Neu duftendem Holzboden.

Lange Rhythmusreisen und spielerische Synchron-Übungen wechseln einander ab bis zum Mittag des Neujahrstages. Inneres Chaos formiert sich in ruhige Ordnung. Aus Denken wird Fühlen. Innere Ordnung leuchtet auf der Haut, aus Augen, schwingt im Tonfall der Worte, lässt erkennen, was wir geben, formt uns schrittweise zu dem Menschen, der wir schon immer sein wollten – der, der wir von Natur aus sind. 

Verbunden in Liebe, Wahrnehmung, Fühlen, Respekt füreinander.
Erkennend.
In stetiger Entwicklung.
Schwingend, fließend im Resonanzraum des physischen Körpers.
Im Einklang mit uns selbst.
Gebettet in Gemeinschaft.
Bereit, der wahren Verantwortung ins Gesicht zu blicken.


Mit TaKeTiNa treten wir, in Rückverbindung mit unserem Ursprung, in eine von vielen möglichen Formen des Menschseins ein. Jede Reise ist anders. Jede Gruppe ist anders. Jede Verbindung von Rhythmus Pädagogen ist anders.

Am dritten Tag verabschieden wir uns voneinander mit gefüllten Herzen, tiefer Dankbarkeit aus jedem Mund, leuchtend und mit der Vorstellung von Glück im Gepäck.

Ihr, Gaby, Dorothea, Johannes und Baby Olivia habt uns allen ein unvergessliches Erlebnis
geschenkt!

Für mich haben sich bei und mit euch viele Wünsche erfüllt. Einen überdauernden jedoch habe ich im hellen Holz des duftenden Seminarraumes versteckt: Ich wünsche mir, das TaKeTiNa ganz viele Menschen für sich entdecken und nutzen als Weg, zu tiefgreifender innerer Transformation, die das eigene Bewusstsein zurück auf den Ursprung richtet: Wer bin ich und wie lebe ich mein SoSein zum Wohl der Gemeinschaft? Was gebe ich in die Welt und was lerne ich aus dem, was ich empfange?

Von Herz zu Herz
Birgitt